SelbstgeMacht

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Fein rausgeputzt mit Hemd und Krawatte. Die auffallend leuchtenden Socken sind natürlich auch selbstgeMacht. (Bild: Sebastian Mertens)

Zu einem ordentlichen Männerabend braucht man nicht viel. Ein ansehnliches Fußballspiel, kühles Bier und natürlich die besten Freunde, mit denen man sich gegenseitig über die ‘ach so schlechte Schiedsrichterleistung aufregen kann. Für fünf ehemalige Tübinger Sportstudenten sind zwei Utensilien ebenfalls zwingend notwendig: Häkelnadeln und verschiedenfarbige Wollknäuel. Im April 2009 gründeten die fünf Freunde Sebastian Mertens, Didi Gugel, Tobias Egerer, Michael Schwarz und Julian Knoll die hatnut GbR. Die „hatnuts“ häkeln nach Designwünschen ihrer Kunden Mützen und Stirnbänder in verschiedenen Variationen.

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Im Winter halten die Mützen nicht nur warm, sondern sehen auch cool aus. (Bild: Sebastian Mertens)

Die Geschichte begann 2009, als Didi Gugel vier Monate als Snowboardlehrer in einem abgeschiedenen Allgäuer Ort verbrachte. Im idyllischen Ort Balderschwang gab es auf der Skihütte weder Internet noch Fernsehen. Aus der Not erwuchs Kreativität. „Ich hatte schon immer Probleme damit, die passende Mütze zu finden“, sagte Gugel in einem Interview mit dem Schwäbischen Tagblatt. Und so kam es, dass die ersten „selfmade-Mützen“ hergestellt wurden. Die ersten Häkelversuche gingen zwar noch völlig daneben, doch Didi Gugel gab nicht auf. Auch bei seinen Tübinger Kommilitonen kamen die Mützen gut an. „Die sahen wirklich cool aus“, sagt Sebastian „Sebi“ Mertens, Mitbegründer der hatnuts. Kurz darauf wurde in einer Tübinger Studenten-WG ein Häkelseminar angeboten, geleitet von Didi Gugel. Insgesamt nahmen 15 Sportstudentinnen und -studenten teil. Fünf Häkeltalente blieben übrig und diese gründeten im April 2009 die hatnut GbR. Das Motto lautete: „Wir wollen mal schauen was passiert“, erzählt Sebi und schmunzelt. Das Häkelgeschäft wurde innerhalb kürzester Zeit ein riesen Erfolg. Spätestens nachdem Didi Gugel und Julian Knoll in der NDR Talk Show zu Gast waren und von den hatnuts berichteten, gab es einen Hype um die Mützen. „Wir häkelten mittags in der Straßenbahn, abends beim Fußball schauen und beinahe bei jeder anderen Gelegenheit. Wir verbrauchten ungefähr 30 Kilogramm Wolle und häkelten pro Person 40 bis 50 Mützen im Monat. Ab da war uns bewusst, dass wir das Ganze nicht mehr alleine stemmen konnten“, sagt Mertens.

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Das Tragen ihrer selbstgestrickten Mützen macht die fünf Jungs auch im Freibad zum „Hingucker“. (Bild: Sebastian Mertens)

Inzwischen haben alle ihr Sportstudium abgeschlossen und sind in ganz Deutschland verstreut. Die gemeinsamen Häkelstunden beim Fußballschauen sind vorbei, alle sind fest angestellt. „Da ich einen Full-Time-Job als Lehrer habe und wir nie vorgehabt haben, das Häkeln hauptberuflich zu machen, ist das nicht mehr so einfach unter einen Hut zu bekommen“, erklärt Sebi. Daher haben sich die Jungs tatkräftige Unterstützung von fünf Hausfrauen geholt, die das Häkeln größtenteils für sie übernehmen. „Wir sind heute nur noch wenig für das operative Geschäft zuständig, das machen unsere Mädels. Wenn sich aber ein Kunde eine speziell von Sebi angefertigte Mütze wünscht, dann wird das selbstverständlich erledigt.“

Neben Mützen verkaufen die Jungs ihre eigene „hatnut-Wolle“ in vielen Shops in Deutschland. Die Änderung des Geschäftsmodells ist eine neue Herausforderung für die fünf. Neben der Buchhaltung kümmern diese sich jetzt vorwiegend um den Verkauf ihrer Wolle.

Für die Zukunft wünschen sich die hatnuts, dass die hatnut GbR bestehen bleibt. „Wir machen das, solange uns das Spaß macht“, sagt Sebi. Und wer weiß, vielleicht verabreden sich die fünf ja nochmal alle an einem Samstag zu einem Männerabend. Dazu benötigt man schließlich nur ein ansehnliches Fußballspiel, kühles Bier, die besten Freunde, verschiedenfarbige Wollknäuel und Häkelnadeln.

 

Fabian Möbius

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