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    Mit Spaß bei der Sache und trotzdem voll fokussiert – so präsentieren sich Ladies der Reutlingen Eagles auf und neben dem Feld ©Ann-Cathrin Müller

    Mit Teamgeist und Tackle – warum Frauen auf das Football-Feld gehören

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    By Sonja Holzinger on 26. Februar 2026 Aktuelles, American Football, Geschlechter im Sport

    Es ist dunkel, als der Wagen auf den Parkplatz rollt. Nur das Scheinwerferlicht erhellt die parkenden Autos. In der Ferne leuchten die Flutlichter grell. Ein letzter Moment der wohligen Wärme im Autoinneren, dann – Tür auf. Es ist Donnerstagabend. Jacqueline Kuchenbecker ist bereit für den Kickoff des Trainings. Raus aus dem Auto, die Sporttasche über die Schulter geworfen. Tief in Daunenjacke und Stirnband eingemummelt, stapft sie los, dem fernen Licht entgegen. Sie passiert die massive Betonfassade des Stadions an der Kreuzeiche. Auf dem Nebenplatz jagen die Fußballer des SSV Reutlingen dem Ball hinterher. Doch sie sind heute nur Randnotiz. Ohne einen zweiten Blick lässt Jacqueline die ersten beiden Plätze hinter sich und erreicht einen Kunstrasen, markiert mit blauen Ziffern. Hier, wo sonst Fußballtore stehen, ragen jetzt die schlanken, gelben Goalposts in den Himmel. In fünfzehn Minuten beginnt das Training. Sie nimmt Platz auf den kalten, feuchten Betonstufen neben dem Feld.

    Jacqueline Kuchenbecker spielt American Football für die Reutlingen Eagles. Heute trainiert sie für Olympia. Vor drei Jahren hatte sie noch nie einen Football in der Hand. Kein Einzelfall, denn Frauen im American Football sind unterrepräsentiert.

    Der Rand einer Randsportart – Frauen American Football in Deutschland

    Das Interesse am American Football in Deutschland steigt seit einigen Jahren kontinuierlich an. Sowohl die Zuschauerzahlen beim Super Bowl als auch bei den NFL-Spielen in Europa verzeichnen jährliche Zuwächse. Dieser Aufschwung spiegelt sich auch in den Mitgliederzahlen des American Football Verbands Deutschland (AFVD) wider, der 2024 mit rund 73.500 Mitgliedern einen Höchststand erreichte. Der Sport bleibt dabei zahlenmäßig klar von Männern dominiert; die Mitgliederzahl bei den Männern ist fast doppelt so hoch wie bei den Frauen. Dies zeigt sich auch in der Ligastruktur: In den beiden höchsten Frauen-Ligen, der German Football League (GFL) eins und zwei, sind insgesamt 27 Teams gemeldet. Im Vergleich dazu nehmen allein in der GFL1 der Männer 16 aktive Teams teil. Während die Strukturen der Männer bis zu neun Ligen nach unten reichen, fehlen im Frauenbereich nennenswerte tiefere Spielklassen.

    Die Ladies der Reutlingen Eagles gehören damit zu einer überschaubaren Anzahl deutscher Frauen-Football-Teams. Eine gezielte Förderung nach Leistungsniveau ist kaum vorhanden. Die Ligazugehörigkeit (GFL1 oder GFL2) bemisst sich primär an der Kaderstärke und der Spielform: In der höchsten Spielklasse, der GFL1 Women, wird 11 gegen 11 gespielt, wofür Vereine einen Kader von mindestens 30 Spielerinnen melden und 22 am Spieltag anwesend sein müssen. In der GFL2 hingegen wird 9 gegen 9 gespielt, was einen kleineren Kader von 22 Spielerinnen erfordert, von denen mindestens 16 am Spieltag antreten müssen.

    Vereinzelt schweben Schneeflocken vom Himmel in Richtung Kunstrasen. Jacqueline sitzt auf den kalten Betonstufen – nur ein dünnes, ausgebreitetes Handtuch schützt sie vor der nassen Kälte, die vom Untergrund aufsteigt. Die 22-Jährige schnürt ihre Stollenschuhe. Immer wieder kommen Spieler der zweiten Herrenmannschaft vorbei und begrüßen Jacqueline. Die Stimmung ist gelöst, man witzelt über das Kurzarmshirt eines unerschütterlichen Spielers bei Eiseskälte. Gleich geht es los. Die zweite Mannschaft hat bereits mit ihrer Vorbereitung begonnen und versammelt sich auf der hinteren Feldhälfte. Auf der anderen Seite des Feldes formieren sich Frauen und Männer für das gemeinsame Athletiktraining ihrer Off-Season. Jacqueline unterstützt das zweite Team seit Saisonbeginn als Coach. Ihr Plan für heute Abend ist klar: Zuerst Athletiktraining, dann Spielhälfte wechseln und ihr Wissen als Trainerin weitergeben.

    Jacqueline Kuchenbecker – von einem Scherz ins Nationalteam

    Wissen hat Jacqueline Kuchenbecker genug. Zwar spielt die 22-Jährige erst seit 2023 American Football, doch ihr Aufstieg verlief rasant. Alles begann mit einem Scherz, als sie ihren Bruder vom Fußballtraining abholte und das parallel stattfindende Footballspiel der Herren beobachtete: „Ich könnte da auch mitspielen“, witzelte sie damals mit einem Kumpel und gleichzeitig FSJler der Eagles. Dass sich nur zwei Wochen später in Reutlingen ein Damenteam gründen würde, hätte sie nicht erwartet.

    Sie startete 2024 mit den Reutlingen Eagles in ihre erste Saison – mit sofortigem Erfolg. Heute ist sie nicht nur fester Bestandteil der Eagles, sondern hat es auch in den deutschen Nationalkader im Tackle Football geschafft. Zusätzlich bestehen gute Chancen, sich für die Flag-Nationalmannschaft zu qualifizieren.

    Allerdings ist der Zeitaufwand enorm. In der Saison kommen für Kuchenbecker zwei Trainingseinheiten auf dem Feld, zwei Einheiten im Fitnessstudio und ein Spieltag am Wochenende zusammen. Durch ihren zusätzlichen Trainerjob verbringt sie nahezu jeden Tag auf dem Sportgelände. „Das ist schon ein großer Zeitaufwand“, sagt sie, „aber er macht gleichzeitig auch Spaß.“

    Die besondere Dynamik der Ladies der Reutlingen Eagles

    Die Damenmannschaft der Reutlingen Eagles, die 2023 gegründet wurde, startet in der Gruppe Süd der GFL2 Women. In ihrer zweiten Saison zeigten sich die Eagles souverän, gewannen ihre Gruppe klar, scheiterten jedoch im Playoff-Halbfinale an den Regensburg Phoenix. Die Liga im Süden Deutschlands umfasst insgesamt fünf Teams. Daraus resultieren weite Anfahrtswege und oft ganztägigen Auswärtsfahrten. „Die Fahrten schweißen uns zusammen“, betont Teamkollegin Imme Wendrich, auch wenn sie sich eine größere Anzahl von Teams wünschen würde.

    Der besondere Zusammenhalt und das gegenseitige Vertrauen zeichnen die Mannschaft aus. Kapitänin Ellen Geyer berichtet über die Überraschung eines Gastcoaches, als er sah, dass sich die Spielerinnen gegenseitig die Haare flechten. „Wir sind eine Familie und unsere eigenen Cheerleader“, lächelt Geyer. Dieser Zusammenhalt endet nicht auf dem Spielfeld. Gemeinsame Ausflüge, Rituale nach dem Spiel wie das Teilen von Kuchen und Keksen sowie Trainingseinheiten abseits der Pflichttermine festigen die Gemeinschaft und unterscheiden die Teamkultur von jener der männlichen Kollegen.

    Team statt Ego – warum Frauen-Teams trainierbarer sind

    Während es bei den Männerteams eher zu Gruppenbildungen innerhalb des Kaders kommt, herrscht bei den Eagles Ladies ein umfassenderer Zusammenhalt. Jede Spielerin fühle sich akzeptiert und aufgenommen, wie Kuchenbecker berichtet. Bei den Herren gebe es mehr Einzelkämpfer und Spieler, die im Mittelpunkt stehen oder nach außen hin „cool“ wirken wollen. „Wir wollen als Team gewinnen, wir wollen als Team gut aussehen, wir wollen als Team performen“, fasst Imme Wendrich die Philosophie zusammen.

    Diese Einschätzung teilt auch Coach und selbst Spieler der GFL1, Magnus Bumiller. Dick eingepackt in Mütze, Buff und Winterjacke bewegt er sich auf das Feld. Er beschreibt Frauen als trainierbarer. Während Männer oft mit einem ausgeprägten Ego an die Anweisungen herangehen, hören sich Frauen die Vorgaben des Trainers an und entscheiden sich dann für die beste Lösung. Bumiller fühlt sich dadurch in seiner Arbeit mehr wertgeschätzt.

    Dass Coaches dieses Kalibers die Damen trainieren, ist nicht selbstverständlich. Die meisten Trainer wechseln in den lukrativeren Männersport. Bei den Ladies gebe es am Ende der Saison auch mal einen kleinen Präsentkorb mit Riegeln und Rote-Bete-Saft als Anerkennung, schmunzelt Bumiller. Abgesehen von den rein körperlichen Differenzen gibt es taktisch keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Spiel.

    Immer wieder ertönt der schrille Ton einer Trillerpfeife über das Feld. Für Jacqueline ist es das Signal, die Feldhälfte zu wechseln. Zwischen den voll ausgerüsteten Athleten wirkt die recht groß gewachsene Receiverin beinahe verloren. Dumpf krachen Schulterpads aufeinander, ein Geräusch, das den Rhythmus des Trainings bestimmt. Dazwischen steht Jacqueline und erklärt einem neuen Spieler in wenigen Sekunden den nächsten Spielzug. „Ready, go!“ – dann setzt sich das Geschehen erneut in Bewegung.

    Football ist nichts für Frauen? Von wegen!

    „So richtiges Football?“ oder „Dann bist du Cheerleader?“ – das sind Reaktionen, die die Spielerinnen häufig zu hören bekommen. Besonders bei der eher schmächtigen Ellen Geyer sorgt die Information über ihren Sport oft für Überraschung. Mittlerweile seien die meisten Menschen jedoch beeindruckt und fänden es „cool“, berichtet Imme Wendrich zufrieden. Die Austragung von NFL-Spielen in Deutschland schafft ein wachsendes Bewusstsein und spürbar mehr Akzeptanz für Frauen im American Football.

    Doch warum gibt es nach wie vor so wenige Athletinnen in diesem Sport? Football ist ein intensiver Kollisionssport, der immer mit einer gewissen Überwindung verbunden ist. Die meisten Menschen sind von Natur aus kontaktscheu, unabhängig vom Geschlecht. Magnus Bumiller vermutet, dass Mädchen in ihrer Jugend anders sozialisiert werden. Sie spielen seltener Spiele, die mit Kontakt und Kollision verbunden sind. Entsprechend fällt die Wahl der ersten Sportarten selten auf American Football. Der Coach erzählt: „Die Popularität würde steigen, gäbe es einfach mehr Frauen, die den Sport ausüben, und eine größere öffentliche Aufmerksamkeit dafür. Es ist ein Kreislauf aus geringer Sichtbarkeit und geringen Teilnehmerzahlen.“

    Dabei ist American Football eine Sportart, die genauso gut für Frauen geeignet ist wie für Männer. American Football vereint Schnelligkeit, Kraft, Teamwork und taktisches Verständnis. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass der Sport für jeden Körpertyp eine Position bietet. Ob groß oder klein, schnell oder langsam – jeder wird gebraucht, und es gibt keine strikte Norm, der man entsprechen muss. Die Sportart ermöglicht es, individuell herauszustechen und gleichzeitig stark im Kollektiv zu agieren. Die Komplexität der Spielzüge erfordert zudem kognitive Fähigkeiten und taktisches Verständnis.

    Diese Vielseitigkeit macht den Sport besonders attraktiv. Zusätzlich bietet er Frauen Raum für Stärke. „Ich fühle mich stark, kann laut sein, so sein wie ich bin, und das wird akzeptiert“, beschreibt Imme Wendrich mit einem selbstsicheren Lächeln. In der Gesellschaft sei ein starkes Auftreten von Frauen nicht immer gern gesehen; der Sport biete einen geschützten Rahmen dafür. Coach Magnus Bumiller ergänzt, dass American Football schneller als andere Sportarten zu einem prägenden Teil der eigenen Identität und des Lebensstils wird. Also wie den Frauen die Vorbehalte gegenüber American Football nehmen?

    „Es ist nicht so brutal, wie es aussieht. Man lernt, richtig und technisch sauber zu tackeln“, ermutigt Kuchenbecker. Der Sport erfordert eine gewisse Überwindung, aber sobald die Grundlagen sitzen, beginnt er Spaß zu machen. Um Frauen den Einstieg zu erleichtern, bieten die Eagles regelmäßig Probetrainings an. Von 20 bis 30 Teilnehmerinnen bleiben am Ende nur zwei bis drei regelmäßig dabei. „Das ist dann schon gut“, bilanziert Bumiller.

    Der Wunsch für die Zukunft – mehr Sichtbarkeit, mehr Frauen, mehr Football

    Die Reutlingen Eagles Ladies haben klare Ambitionen für die Zukunft. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre strebt das Team den Aufstieg in die GFL1 Women an.

    Jacqueline Kuchenbecker möchte den Sport so lange wie möglich verletzungsfrei ausüben. Ihr großer Traum bleibt die Teilnahme an den Olympischen Spielen mit der Flag-Football-Nationalmannschaft. Sie ist sich bewusst, dass dies eine Entscheidung erfordern könnte: „Beides wird zeitlich schwer umsetzbar“, sagt sie über die Kombination von Tackle- und Flag-Football auf hohem Niveau.

    Das übergreifende Ziel aller Beteiligten ist jedoch die Steigerung der Popularität des American Football für Frauen in Deutschland. Mehr Öffentlichkeit soll dazu beitragen, dass sich mehr Frauen trauen, den Sport auszuprobieren, und dass langfristig die Anzahl der Teams steigt. Imme Wendrich appelliert direkt an die Vereine: „Männerteams müssen sich trauen, Frauenteams zu eröffnen.“

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