Textile Sport-Performance

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Höher, schneller, weiter! Das Sporttreiben kennt kaum noch Grenzen. Profisportler leben den Traum, zu den Besten zu zählen und streben Weltrekorde an. Auch der Breitensport hat im Laufe der Jahre an gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen. Sport zählt zu einem der kulturell größten Einflüsse weltweit. Was Amateure und Profis gemein haben – stets dabei gut auszusehen. Längst hat die Textilbranche erkannt, welche Bedeutung das Sporttreiben hat und lockt mit Innovationen in der Sportmode. Schwitzen und dennoch dabei gut aussehen – Adidas, Nike, Puma und Co. machen es möglich.

Die Sportmode hat sich in ihrer Geschichte stets den Normen der alltäglichen Kleidung und der jeweiligen Epoche angepasst. Die „Geburtsstunde des Sports“ wird auf den Beginn des 19. Jahrhunderts datiert. Von diesem Zeitpunkt an hat sich der Sport zu einem globalen Phänomen entwickelt. Dabei rückt der eigene Lebensstil in den Fokus der Sportler und prägt damit maßgeblich die Geschichte der Sportbekleidung und ihrer Ausdifferenzierung.

Prestige statt Funktionalität

Zunächst ging es im Sport in erster Linie darum, die Etikette zu wahren. Ansehen und Status hatten den größten Stellenwert, wenn es darum ging, sportlich aktiv zu sein. Funktionelle Aspekte waren um 1900 ein Fremdwort in der Sportmode. Egal, welche Sportart oder Disziplin man ausführte, zu viel Haut und aufreizende Mode waren ein Tabu, denn Sitte und Anstand mussten stets gewahrt werden. Die Sportmode ähnelte zu der damaligen Zeit stark der Alltagsmode. Lange, hochgeschlossene Oberteile, Pullover und Pumphosen, in denen die Bewegungsfreiheit eingeschränkt war, dominierten die Sportbekleidung in den Anfängen des 19. Jahrhunderts. Körperumhüllende und einschränkende Bekleidungen prägten diese Zeit, was sich besonders an der Damenschwimmmode verdeutlichte. In den Kleidungsstücken, die für das Schwimmen zur Verfügung standen, war es aufgrund der Ergonomie unmöglich, einen Schwimmzug auszuführen. Daher konnte man zu dieser Zeit eher vom Baden statt vom Schwimmen sprechen. Bei den Männern ähnelte die Schwimmmode dem Trend der damaligen Dessous-Mode, mit körperbetonten Schnittformen. Das Material hatte keine funktionellen Aspekte, stattdessen saugten sich die Wollstoffe stark mit Wasser voll.

Figurbetonte Leichtigkeit

Mit Ende der 1960er Jahre brachte Adidas erstmals reguläre Sporttextilien auf den Markt. Die steigende Bedeutung des Sports in der Freizeit wirkte sich auch auf die Entwicklung und den modischen Aspekt in der Sportmode aus. Für die Frauen bot sich auch beim Sporttreiben nun die Möglichkeit, ihre sexuellen Reize einzusetzen. Das Körperbild in der Gesellschaft differenzierte sich, was sich auch in der Textilbranche bemerkbar machte. Sportmode wurde unter anderem erstmals auch konzipiert, um Erotik zu erzeugen. Enge, figurbetonte und knappe Schnitte präsentierten die Frau in völlig neuem Licht und betonten die weiblichen Rundungen. Aber nicht nur der modische Aspekt veränderte sich, auch das Verlangen nach bequemer und praktischer Bekleidung wurde größer. Leichtigkeit und Bewegungsfreiheit sollten von nun an Einzug in die Sportmode halten. Besonders die Herrenradsportmode überzeugte mehr und mehr durch Funktionalität. Zum ersten Mal wurden zur Herstellung der Radlerhosen hochelastische Stoffe aus Lycra mit dauerhafter Formstabilität verwendet und man erkannte, dass funktionale Sportkleidung auch einen Beitrag zum Erfolg der Athleten und Athletinnen leistete. Aktive Sportmode war das Schlagwort der 1970er Jahre. Ein weiterer Einfluss übte die Jugendbewegung und Lebensstil der Hippies auf die Ästhetik der Sporttextilien aus. Hosen, T-Shirts und Jacken, die für das Sporttreiben gedacht waren, wurden mit schrillen Farben und Mustern bedruckt.

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Schwitzen und dabei gut aussehen. (Bild: Fotolia)

Neben erster funktionaler Trainingskleidung, die einen angenehmeren Tragekomfort garantierte, fanden zwei sich stark ähnelnde Kleidungsstücke Einzug in die Kleiderschränke – der Trainings- und Jogginganzug. Lediglich hinsichtlich der verarbeiteten Materialien unterschieden sich diese Kleidungsstücke: Funktionsfasern bei Trainings- und Baumwolle bei Jogginganzügen. Als Vorreiter gilt das Unternehmen Adidas, das 1969 diese Kultobjekte auf den Markt brachte und die bis heute weder aus dem Kleiderrepertoire von Sportlern noch von nicht Sporttreibenden zu denken sind. Mitte der 1970er Jahre ließ der Kult um den modischen Zweiteiler nach, stattdessen war eine individuelle Kombination von Hose und Oberteil angesagt.

Hightech am Körper

Neues technisches Know-how fand Ende des 20. Jahrhunderts Einzug in der Sportbranche. Design und Funktionalität standen im Vordergrund. Baumwolle, die den Schweiß wie ein Schwamm aufsaugte, gehörte fortan der Vergangenheit an. Die Sportartikelhersteller haben auf das neue Bedürfnis von Sporttreibenden reagiert und auch die Chemiebranche entwickelte neue Produkte, die für einen angenehmeren Tragekomfort verantwortlich sind. Atmungsaktiv, wasser- und windabweisend sind die Schlagworte der modernen Sportmode. So wirbt die Sportartikel-Branche mit neuen innovativen und leistungsfördernden Performance Technologien. WindCell (windabweisend), dryCell (feuchtigkeitstransportierend) oder warmCell (wärmeisolierend) sollen den Verkauf der hightech Sportbekleidung und die damit verbundene Wettbewerbsfähigkeit steigern. Derzeit liegt der Trend bei den so genannten Lightweight Materialien, die für Leichtigkeit, Passform und Flexibilität garantieren sollen.

Doping auf der Haut

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Sportler setzten mit ihrer Kleidung neue Trends. (Bild: Fotolia)

Wie sehr Innovationen in der Textilindustrie sportliche Leistungen beeinflussen, zeigten Entwicklungen im Schwimmen. Dank der Ganzkörper-Schwimmanzüge, die um die Jahrhundertwende aufkamen, wurden beeindruckende Rekorde gefeiert. Der Hauptgrund für diese Leistungsexplosion wurde auf die neuen Anzüge zurückgeführt. Was war das Geheimnis der neuen Schwimmbekleidung? Hergestellt wurden diese aus Nylon-Lycra-Material oder dem Kunststoff Polyurethan. Mit Hilfe von Ultraschall wurden die Anzüge verschweißt. So konnte man an Stellen, an denen der Körper besonders hohen Widerstand im Wasser leistete, ohne Nähte auskommen und diesen leistungshemmenden Störfaktor damit bedeutend verringern. Eine Art eingearbeitetes „Stützkorsett“ drückte die Muskeln so zusammen, dass diese stabiler und härter waren. Verstärkt wurde dies durch eine der Haifischhaut nachempfundene Oberflächenstruktur. 2010 wurde dieses Materialdoping jedoch verboten und die „Wunderanzüge“ aus dem Becken verbannt. Damit stand nun wieder die Leistung und nicht mehr die Technologie im Vordergrund.

Nachhaltig in die Zukunft

Aktuell liegt das Tragen eines Trainings- oder Jogginganzug wieder im Trend, jedoch unter neuen Aspekten. Bevorzugt werden diese jetzt in der Freizeit angezogen und besitzen dementsprechend ein buntes und modisches Design. Was früher „State oft the Art“ beim Sport war, ist heute selten geworden. Die klassische Verwendung dieser Kleidungsstücke ist zurückgegangen und zählt heute zu Statement-Produkten im Lifestyle-Bereich.

Die Kombination aus Funktion und Design wird weiterhin als selbstverständlich gelten. Aber auch das gesellschaftliche Umdenken im Bereich der Nachhaltigkeit veranlasst die Sportartikelhersteller zum Handeln. Vermehrt rückt dieses Thema, auch aufgrund der Medienberichterstattung, in das Bewusstsein der Endverbraucher. Schlechte Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern werfen ein negatives Licht auf die Sportkonzerne. Bio-Baumwolle, Mindestlöhne und verbesserte Arbeitsbedingungen in den Ländern, in denen die Textilien produziert werden, sollen für eine nachhaltige und verantwortungsbewusste Unternehmensführung stehen. Nicht mehr nur das Endprodukt mit seinen funktionalen und modischen Aspekten, sondern auch der Weg, wie es in die Verkaufsflächen kommt, interessiert nun die Konsumenten.

Die Sportmode wandelt sich mit dem Sportverständnis und Unternehmen werden versuchen, mit neuen Ideen den Markt anzuführen. Man darf gespannt sein, was den Sporttreibenden in den kommenden Jahren angeboten wird, wie sich die Produktionsvorgänge der Textilien verändern und ob es erneut in einer Sportart zu „Materialdoping“ kommt.

Lisa Knödler

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