Mercedes-Benz Arena – eine enorme Entwicklung

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Der VfB Stuttgart spielt weiterhin in der 1. Fußball-Bundesliga. Dafür verantwortlich sind auch die Anhänger und Fans der Württemberger, die durch ihre Unterstützung bei den Heimspielen in der Mercedes-Benz Arena die Spieler zu Höchstleistungen trieben. Die Atmosphäre im Stadion war und ist bemerkenswert. Da die Zuschauer direkt am Spielfeldrand sitzen, können sie das Spiel hautnah miterleben. Blicken wir zurück zu den Anfängen des Stadions.

1936: In der Adolf-Hitler-Kampfbahn, so wie das Stadion früher hieß, wurden die Spieler mit einem Hitlergruß empfangen.

1936: In der Adolf-Hitler-Kampfbahn, so wie das Stadion früher hieß, wurden die Spieler mit einem Hitlergruß empfangen.

Wir schreiben das Jahr 1914: Auf dem Cannstatter Wasen befindet sich eine Arena mit 20.000 Plätzen. Sie wird hauptsächlich für Veranstaltungen genutzt, jedoch nicht nur für Fußballspiele. Diese Arena hatte nur drei Monate Bestand. Aufgrund eines Brands musste das Stadion neu gebaut werden. Dies wurde 1929 durch den Gemeinderat beschlossen und für 2,35 Millionen Reichsmark umgesetzt. Paul Bonartz war der Architekt. Ende 1930 begann der Bau des neuen Stadions. Zweieinhalb Jahre betrug die Bauzeit und am 23. Juli 1933 wurde es eingeweiht. 40.000 Zuschauer fanden in dieser Arena Platz. Das Turnfest 1933 war das erste große Sportevent. Das Stadion hatte ein großes Rasenfeld und eine 400 Meter lange Aschenbahn, die 1933 in Adolf-Hitler-Kampfbahn umbenannt wurde. In den Jahren bis 1935 wurde das Fassungsvermögen des Stadions auf 70.000 Plätze ausgebaut. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Stadion beschädigt, aber die Tribüne hielt den Angriffen stand. Die Amerikaner tauften nachdem Zweiten Weltkrieg das Stadion in „Century Stadion“ um und benutzten es größtenteils für Football-Spiele. Der Zutritt war Deutschen zu dieser Zeit untersagt.

1940: Die Adolf-Hitler-Kampfbahn, damals noch ohne durchgehende Tribüne.

1940: Die Adolf-Hitler-Kampfbahn, damals noch ohne durchgehende Tribüne.

Dies änderte sich vier Jahre nach Ende des Kriegs. Die Arena wurde 1949 in Neckarstadion umbenannt. Wieder fand ein Umbau statt, bei dem eine Gegentribüne errichtet wurde. Im selben Jahr wurde vor 92.000 Zuschauern das Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft zwischen dem VfR Mannheim und Borussia Dortmund ausgetragen. Das Spiel ging aufgrund der hohen Temperaturen als „Hitzeschlacht von Stuttgart“ in die Geschichte ein. Ein Jahr später wurde vor 103.000 Zuschauern das erste deutsche Nachkriegsländerspiel gegen die Schweiz ausgetragen. Der Andrang war zu groß. Das Stadion hatte nicht so viel Platz für solch eine große Masse an Menschen. 263 Menschen verletzten sich und ein erheblicher Sachschaden entstand. Deswegen genehmigte der Gemeinderat 550.000 DM für eine weitere Sanierung. Einige Zeit später wurden weitere 2,3 Millionen DM für Umbauarbeiten investiert. Mit diesem Geld wurden die Ränge der Cannstatter und Untertürkheimer Kurve gebaut.

1960: Das Stadion war schon damals bis auf den letzten Platz ausverkauft.

1960: Das Stadion war schon damals bis auf den letzten Platz ausverkauft.

Guido Buchwald sieht die Fußball-Weltmeisterschaft 1974 und die Entscheidung für Stuttgart als einen der neun Spielorte für einen Meilenstein in der Entwicklung des Stadions. „Es wurde eine neue große Haupttribüne errichtet, die Gegentribüne wurde überdacht und eine Anzeigetafel wurde installiert“, erklärt der ehemalige Nationalspieler. Ein weiterer Schritt in Richtung Mercedes Benz Arena fand 1993 vor der Leichtathletik-WM statt. „Die vollständige Überdachung des Stadions war elementar wichtig“, meint Günther Kuhnigk, Leiter des Amts für Sport und Bewegung der Landeshauptstadt Stuttgart. Diese wurde durch eine Stahlseilbinder-Konstruktion der Architekten Siegel und Partner entworfen. Das Stadion bekam ein Membrandach, das damals allen 53.000 Sitzplätzen schützte und bis heute dem Stadion seinen Glanz verleiht. „Ich war bei der Einweihung selbst dabei“, erinnert sich Buchwald. Das Gottlieb-Daimler-Stadion, so wie es zu dieser Zeit hieß, erhielt seinen Namen durch eine Investition des Unternehmens in Höhe von zehn Millionen DM für die Namensrechte. Mitte der 1990er Jahre wurde das Stadion komplett saniert. Dabei wurde die Gegengerade aufgestockt, die 1963 erbaute Flutlichtanlage aufgerüstet und auf den neusten Stand gebracht.

1973: Für die Fußballweltmeisterschaft 1974 wurde eine neue Haupt-und Gegentribüne gebaut.

1973: Für die Fußballweltmeisterschaft 1974 wurde eine neue Haupt-und Gegentribüne gebaut.

Das größte Ereignis, das bis heute in der Mercedes-Benz Arena stattfand, waren einige Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Kuhnigk gerät ins Schwärmen: „Damals wurde das Businesscenter mit einer neuen Haupttribüne sowie einer neuen Gegentribüne realisiert“. Sechs Spiele fanden während der WM in Stuttgart statt. Zum Abschluss das Spiel um Platz drei, bei dem die deutsche Mannschaft durch den 3:1- gegen Portugal das Sommermärchen würdig beendete. Die Arena war nun ein reines Fußballstadion. „Die Anzahl der großen Leichtathletikereignisse, die nach der WM 1993 in Stuttgart realistisch hätten durchgeführt werden können bzw. für die man sich hätte erfolgversprechend bewerben können, waren letztlich kein Gegenargument gegen den immer größer werdenden Druck aus den Reihen der Fußball-Fans, nicht nur in Stuttgart, sondern bundesweit, die großen Stadien in reine Fußball-Arenen umzuwandeln“, erklärt Günther Kuhnigk. Stuttgart stimme dem Umbau im Mai 2009 zu, ein Jahr später rollten die Bagger an. „Unvergesslich ist natürlich der Moment, als beim Länderspielklassiker Deutschland gegen Brasilien (11.08.2011 Anm. d. Red.) zum ersten Mal der Ball in der neuen Mercedes-Benz Arena rollte“, sagt Stefan Heim, Direktor des Mitglieder und Fanservices/Sonderprojekte. Für Guido Buchwald waren der Ausbau des VIP-Bereichs sowie der Fanbereich hinter den Toren ein wichtiger Schritt. „Ein reines Fußballstadion ist für jeden Fußballspieler ein Traum. Ich habe mich immer auf Spiele in reinen Fußballstadien gefreut. Die Stimmung kommt viel besser auf das Spielfeld. Man hat mehr Kontakt zu den Zuschauern, die Motivation ist noch größer, das Feeling ist einmalig“, so der Weltmeister von 1990. Stefan Heim kann da auch nur zustimmen: „Es ist ein großer Unterschied, ob man das Spiel mit einer gewissen Distanz durch eine Laufbahn betrachten muss oder ob man direkt am Geschehen dabei ist. Die Stimmung bei uns hat sich sehr gut entwickelt, auch weil wie in der legendären Cannstatter Kurve, der Heimat unserer treuesten Fans, über 8.000 Stehplätze anbieten können. Wer es einmal selbst erlebt hat, welche tolle Stimmung sich darin entwickeln kann, der wird immer wieder kommen.“ Buchwald gerät ebenfalls ins Schwärmen, sobald er an die jetzige Mercedes-Benz Arena denkt. Er hat die Entwicklung mit großem Interesse verfolgt, schließlich war das Stadion elf Jahre seine Fußballheimat und hätte gerne einmal in der neuen Arena vor dieser tollen Atmosphäre gespielt. „Die Mercedes-Benz Arena gehört zu den besten Stadien in Deutschland. Betrachtet man den sowohl den VIP-Bereich als auch den Fan-Bereich an sich sowie die Infrastruktur, speziell für Leute mit gewissen Behinderungen, so würde ich würde ich die Arena sogar an erster Stelle nennen.“

1993: Leichtathletik-WM: Das Stadion wurde rundum überdacht.

1993: Leichtathletik-WM: Das Stadion wurde rundum überdacht.

Heim fasst noch einmal zusammen: „Eine reine Fußball-Arena war der Traum aller VfBler und wir haben ihn verwirklicht. Durch den Wegfall der Laufbahn und das Heranrücken der Kurven an das Spielfeld erlebt der Fan das VfB-Team noch näher, noch intensiver und emotionaler.“ Die Mercedes-Benz Arena hat seine Kapazität auf 60.441 Zuschauer erhöht. Nicht nur Fußballspiele können in der Arena stattfinden. Wir haben die Möglichkeit, auch Konzertveranstaltungen, wie zuletzt zum Beispiel das von Robbie Williams oder im kommenden Jahr das von Helene Fischer durchzuführen. Ebenso freut uns, dass der Fan jetzt auch im Stadion heiraten kann“, erklärt Stefan Heim weiter. Die Mercedes-Benz Arena hat sich über Jahrzehnte weiterentwickelt und gehört heute zu den modernsten Stadien Deutschlands.

Marcel Proß

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