Paneuropäische Wettbewerbe – Ein Modell, um Europa sportlich zu vereinen?

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Sportwettkämpfe in Europa haben eine lange Tradition. Bereits 1911 wurde in Roubaix (Frankreich) ein Vorläufer der heutigen Fußball-Europameisterschaft der Männer ausgetragen.1966 erklärte die Europäische Fußball-Union (Uefa) das unter dem Namen „Europapokal der Nationen“ bekannte Turnier zur „Fußball-Europameisterschaft“. Ausrichter europäischer Wettbewerbe sind in der Regel einzelne Nationen. Seit einigen Jahren verfolgen einige europäische Sportverbände jedoch ein neues Konzept: Paneuropäische Wettbewerbe. Sind diese ein Austragungsmodell der Zukunft in Europa?

Paneuropäische Wettbewerbe sind Sportwettbewerbe, die nicht in einem Land ausgetragen werden, sondern in mehreren europäischen Ländern gleichzeitig stattfinden. Die Gründe, warum Verbände paneuropäische Wettbewerbe bevorzugen, sind vielfältig. Ein zentraler Grund ist die Entlastung einzelner Ausrichter durch eine bereits vorhandene Infrastruktur in mehreren Ländern. Neue Sportstätten werden in der Regel nicht gebaut, vorhandene müssen lediglich modernisiert werden. Investitions- und Organisationskosten werden zwischen den ausrichtenden Nationen aufgeteilt, weniger Personal ist notwendig und mehr Fans erleben hautnah die Veranstaltung in ihrem Land.

Die Fußball-EM 2020, die durch die Corona-Pandemie auf 2021 verschoben werden musste, wurde als paneuropäischer Wettkampf durchgeführt. Die Idee hierfür stammt vom ehemaligen Uefa-Präsidenten Michel Platini. Der Uefa fiel es schwer, einen Ausrichter zu finden, der eine derartige Großveranstaltung allein stemmen kann und gleichzeitig alle Bedingungen des Verbands erfüllt. Kritisiert wird die EM 2020 nun aber vor allem für ihre Klimabilanz, denn es wurde nicht nur in ganz Europa gespielt, sondern auch über den Kontinent hinaus. In Aserbaidschans Hauptstadt Baku wurden beispielsweise drei Gruppenspiele ausgetragen. Zwischen den verschiedenen Spielen lagen Tausende von Flugkilometern und drei verschiedene Zeitzonen. Durch die Corona-Pandemie konnte auch der Wunschvorstellung von einer großen Fan-Party in ganz Europa nicht entsprochen werden.

Auch im Handball konnte man mit dem Konzept der paneuropäischen Wettbewerbe bereits Erfahrungen sammeln. So fand 2020 die EM der Männer in Norwegen, Österreich und Schweden statt. Auch die Handball-EM der Frauen 2020 sollte als paneuropäischer Wettbewerb ausgetragen werden. Aufgrund der Corona-Pandemie zog Norwegen als Gastgeber zurück und das Turnier fand nur in Dänemark statt.

Teams und Fans werden dabei vor neue Herausforderungen gestellt. Ein zentrales Thema ist das Reisen der Teams mit ihrem Betreuungspersonal zu den verschiedenen Spielorten. Weite Distanzen müssen zwischen den einzelnen Spieltagen zurückgelegt werden. Die Europäische Handballföderation (EHF) versucht bei der Ansetzung der Spiele den Mannschaften hier entgegenzukommen. Kai Häfner, Handballnationalspieler und Teilnehmer an der EM 2020, erinnert sich: „Es wurde darauf geachtet, dass man bei anstehenden Reisen einen Tag mehr Pause hatte. Zudem ist man meist mit einem Charterflugzeug geflogen. Trotzdem war es schon ein Hin und Her. So sind wir für das Spiel um Platz 5 extra noch nach Schweden geflogen. Wir haben also in den zwei Wochen in allen drei Ländern gespielt.“ Reisen während eines europäischen Turniers sind jedoch kein Spezifikum paneuropäischer Wettbewerbe. Auch bei der Austragung von Wettbewerben in einem Land sind sie fester Bestandteil des Turniers. Shenia Minevskaja, deutsche Handball-Nationalspielerin und Teilnehmerin bei den Europameisterschaften 2014 in Ungarn und Kroatien und bei der EM 2020, erklärt: „Je nach Spielort ist die Reise das Anstrengende an dem Ganzen. Jedoch betrifft das nicht spezifisch die paneuropäischen Wettkämpfe. 2019 war die Weltmeisterschaft in Japan und auch dort mussten wir längere Reisen durchführen.“ Kai Häfner ergänzt: „Bei Turnieren in nur einem Land sind immer auch mehrere Spielorte und damit Reisen und Hotelwechsel an der Tagesordnung.“

Durch die gleichzeitige Austragung in mehreren Ländern treffen bei paneuropäischen Wettbewerben verschiedene Kulturen noch stärker aufeinander. „Ich persönlich finde es gut mit unterschiedlichen Kulturen in Kontakt zu kommen. So kann man noch mehr Eindrücke mitnehmen“, so Shenia Minevskaja. Es ist sicherlich eine Chance für alle Seiten, die europäischen Länder mehr miteinander zu vereinen. Es ist egal, in welcher Sportart solch ein Wettkampf stattfindet, es entsteht immer eine gewisse Euphorie, vor allem in den Austragungsländern. Diese Euphorie verteilt sich somit auf die verschiedenen Austragungsländer und schafft ein Gemeinschaftsgefühl, indem man Teil etwas Großen ist.

Es bleibt abzuwarten, ob paneuropäische Wettbewerbe zukünftig traditionelle Wettbewerbe ersetzen werden oder ob in Zukunft beide Konzepte nebeneinander stattfinden werden. Es wird ebenfalls spannend sein mit anzusehen, ob und wie diese Veränderung Auswirkungen auf ein vereintes Europa haben könnte.

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