Der deutsche Hype um den Super Bowl

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Der Super Bowl XLVIII hat 2014 in Deutschland erneut eine größere Einschaltquote als im Vorjahr gebracht. Mehr als eine Millionen Footballfans verfolgten hierzulande am 3. Februar von Mitternacht an das Spektakel auf SAT.1. Doch nicht nur die Einschaltquoten steigen, auch die Mitgliederzahlen im American Football Verband Deutschland klettern kontinuierlich nach oben.

Es ist der 2. Februar 2014, 18.30 Uhr amerikanischer Zeit an der US-Ostküste, als der Referee das neben der Fußball-Weltmeisterschaft wohl spektakulärste Sportereignis dieses Jahres im MetLife Stadium in New Jersey anpfeift. Der Super Bowl XLVIII ist die 48. Auflage des Endspiels um die Meisterschaft zwischen der „National Football Conference“ (NFC) und der „American Football Conference“ (AFC). Gegenüber stehen sich die Denver Broncos aus der AFC und die Seattle Seahawks aus der NFC. Der Quarterback der Broncos, Peyton Manning, gibt seinem Center Manny Ramirez und dem restlichen Team noch eine letzte taktische Anweisung, wie der erste Spielzug auszusehen hat. Doch nichts läuft wie geplant. Stattdessen gehen die Seattle Seahawks durch ein Safety mit 2:0 in Führung. Auch in den folgenden Minuten will den Broncos nichts gelingen, da Seattle defensiv sehr gut steht und mit einfachen Punkten wie dem Field Goal die Führung ausbaut.

Doch was bedeuten Quarterback, Safety, Field Goal? In Deutschland hat American Football erst im vergangenen Jahrzehnt langsam an Popularität gewonnen. Deshalb sind die Begriffe für den Großteil der Bundesbürger, die nur Massensportarten wie Fußball oder die Formel 1 (im TV) verfolgen, häufig noch Fremdwörter. Wie kann man Punkte erzielen, und um was geht es überhaupt in diesem Spiel?

Harter Kampf: Der Verteidiger stoppt den Angreifer mit einem Tackle.

Harter Kampf: Der Verteidiger stoppt den Angreifer mit einem Tackle.

Zu Beginn jedes Spielzugs übergibt der Center den Ball an den Quarterback. In diesem Fall wartet Peyton Manning auf die Übergabe des eiförmigen Leders von Manny Ramirez. Da der Ball Manning jedoch verfehlt, kommt es zum sogenannte Safety. Ein rabenschwarzer Beginn für Manning und die Broncos. Der Safety bringt den Seahawks nicht nur zwei Punkte ein, sondern auch noch den Ballbesitz. Nun ist Seattle an der Reihe, den Angriff besser durchzuführen. Sie versuchen erst einmal ein paar Yards in Richtung der gegnerischen Endzone voranzukommen. Ein Yard entspricht 0,9144 Meter. Das ist auch zugleich das Ziel des Spiels. Man kann die Grundlinie in der Endzone entweder überlaufen – Touchdown, oder man kickt den Ball über die Torstange – Field Goal. Die Seahawks müssen nun in vier Versuchen zehn Yards vorwärts kommen, um ihnen einen weiteren sogenannten „First Down“ einzubringen. Dieser gelingt den Seahawks zwei Mal und bringt ihnen somit jeweils vier neue Angriffsversuche, ehe sie sich dazu entschließen, beim letzten Versuch keinen Lauf mehr zu wagen. Stattdessen erzielen sie ein Field Goal, das ihnen drei Punkte einbringt. Für die Broncos geht die Misere weiter. Nach einem Ballverlust von Manning ist es Seattles Marshawn Lynch, der für den ersten Touchdown des Abends sorgt, indem er die Grundlinie mit dem Ball überläuft. Für den Touchdown erhält sein Team sechs Punkte. Dazu folgt auf jeden Touchdown noch ein Versuch, den Ball über die Torlatte zu kicken, um einen Extrapunkt zu bekommen. Nach 42 gespielten Minuten sowie knapp drei vergangenen Stunden steht es 36:0 für Seattle, und das Spiel ist vor dem letzten Viertel so gut wie entschieden. Durch viele kleine Unterbrechungen, beispielsweise aufgrund von Fouls, wird das Spiel häufig angehalten. Das erklärt auch, warum manche Partien bis zu drei Stunden dauern. Im Vergleich: in Deutschland beträgt die Viertellänge statt 15 Minuten nur zwölf.

Allgemein ist der Unterschied zwischen American Football in Deutschland und in Amerika hauptsächlich in Hinsicht auf die Popularität sehr groß. Das Spiel wurde erst in den frühen achtziger Jahren in Deutschland bekannt und wird seither dauerhaft von den Massensportarten wie Fußball oder der Formel 1 überschattet. Aber „Es werden immer mehr Vereine gemeldet und die Mitgliederzahl steigt jährlich um einiges an“, sagt das Nachwuchstalent Kai Reise. Kai Reise ist Cornerback bei den Neu-Ulm Spartans. Als Cornerback hat er die Aufgabe, gegen den Passempfänger zu verteidigen. Er spricht von einer Randsportart, die sich in Deutschland in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt hat.

Hartnäckige Verfolgung: Nur noch wenige Meter fehlen der Nummer 4 (links) von den Neu-Ulm Spartans zum Touchdown. Der Verteidiger versucht dies zu verhindern.

Hartnäckige Verfolgung: Nur noch wenige Meter fehlen der Nummer 4 (links) von den Neu-Ulm Spartans zum Touchdown. Der Verteidiger versucht dies zu verhindern.

Der American Football Verband Deutschland (AFVD) meldete am 1. Januar 2012 45.000 Mitglieder und 450 registrierte Vereine. Die Verantwortlichen haben sogar 50.000 Mitgliedschaften im Visier. 2012 wurde die höchste deutsche Spielklasse, die German Football League (GFL), um ein Team auf 16 Mannschaften aufgestockt. Wo früher nur wenige hundert Zuschauer waren, fand das Meisterschaftsspiel 2013 zwischen den New Yorker Lions aus Braunschweig und den Dresden Monarchs in Berlin vor 12.157 Zuschauern statt. Das Finale der Meisterschaft wurde sogar vom TV-Sender Eurosport übertragen, der im Anschluss die Zusammenarbeit für das nächste Finale angeboten hat. Eurosport zeigt sich außerdem offen für eine generelle Ausweitung der Kooperation mit der GFL. Das ist auch eines der Ziele des Verbands.

Die Förderung dieser Sportart stellt jedoch in Deutschland ein Problem dar. Da American Football keine olympische Disziplin ist, wird diese auch dementsprechend wenig unterstützt. Somit muss der Verband in Bezug auf die Finanzierung vermehrt selbst aktiv werden. Alexander Willmann ist einer der Trainer der Neu-Ulm Spartans, die dieses Jahr in der Bayern-Liga Süd spielen. „Es ist sehr schwierig, Sportplätze zu bekommen. Nicht jeder Fußballverein teilt gerne seinen wohlgepflegten Rasen. Auch die Medienpräsenz ist in Deutschland sehr gering. Natürlich gibt es Pay-TV-Übertragungen, aber dazu haben nur die wenigsten Zugang“, sagt er und nennt damit einige Probleme seiner Sportart. Im Vergleich zu Deutschland sieht es in den Vereinigten Staaten von Amerika ganz anders aus. Dort ist American Football neben Baseball und Basketball einer der populärsten Sportarten im Land und deren Beliebtheit gleichzusetzen mit der von Fußball in Deutschland. „Die haben da drüben ganz andere Möglichkeiten als wir hier in Deutschland. Fördergelder, Stipendien – und wenn du gut bist, kannst du davon leben“, sagt Kai Reise. Die Gehälter der amerikanischen Stars wie Peyton Manning oder Tom Brady aus der National Football League (NFL) sind ungefähr gleichzusetzen mit denen der europäischen Fußballstars. Der viermalige Weltfußballer Lionel Messi (zuletzt 2013) verdient jährlich etwa 22 Millionen Euro, der Quarterback der New England Patriots, Tom Brady, insgesamt zirka 21,2 Millionen Euro.

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Eine übliche Szene beim American Football. Beide Mannschaften kämpfen um den Ballbesitz. Keine leichte Aufgabe für den Referee.

Die Footballstars aus Amerika sehen die deutschen Fans vor allem in der Zeit des Super Bowl. Seit einigen Jahren wird das Finale der amerikanischen Meisterschaft im deutschen Free-TV übertragen. Auch hier ist eine Steigerung der Begeisterung der Deutschen zu sehen, jährlich klettern die Einschaltquoten nach oben. Während 2013 noch 1,33 Millionen Personen hierzulande das erste Viertel des Finales verfolgt haben, schalteten 2014 zu Beginn des Spiels 1,59 Millionen Zuschauer ihr Fernsehgerät an. Dabei startete die Partie erst in der Nacht von Sonntag auf Montag um 0.30 Uhr deutscher Zeit mit dem Kick-off. Jedoch ist dies nur ein Bruchteil der US-Zuschauerzahl. Dort wird der Tag schon Wochen zuvor zelebriert, spezielle Werbespots werden gedreht, und der Verkauf von Hot Wings steigt ins Unermessliche. Ein Pizzalieferdienst macht an diesem Tag beispielsweise ein Drittel seines Jahresumsatzes. So ist es nicht verwunderlich, dass sich dieses Spektakel niemand entgehen lassen will. 80,71 Millionen Zuschauer vermeldete der amerikanische TV-Sender „FOX“, insgesamt sahen 111,1 Millionen Amerikaner das Spiel, in dem Peyton Manning zur Legende hätte werden können.

Als erster Spieler war er nämlich auf dem Weg, mit zwei verschiedenen Teams den Super Bowl zu gewinnen. Doch es lief schlecht für ihn und seine Broncos. So musste er sich dem Debakel stellen und verlor schließlich mit 8:43 gegen einen an diesem Tag übermächtigen Gegner aus Seattle. Mit dem Schlusspfiff liefen schon die Vorbereitungen für den nächsten Super Bowl. Währenddessen fiebern in Deutschland immer mehr Fans dem Endspiel der German Football League entgegen. Der New Yorker German Bowl XXXVI steigt am 11. Oktober 2014 im Berliner Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Zwar werden dieses Finale sicher nicht so viele Zuschauer wie den Super Bowl verfolgen, aber es werden sicherlich ein paar mehr sein als im Vorjahr. Denn das deutsche Interesse am American Football steigt kontinuierlich.

Fabian Möbius

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